Erste oder zweite Bildebene: FFP vs. SFP beim Zielfernrohr
Bei der Wahl eines Zielfernrohrs für Jagd oder Sportschießen gehört die Position des Absehens zu den wichtigsten technischen Entscheidungen: Liegt das Absehen in der ersten Bildebene (FFP) oder in der zweiten Bildebene (SFP)?
Dabei geht es nicht darum, dass eines der beiden Systeme grundsätzlich besser wäre. FFP und SFP erfüllen unterschiedliche Anforderungen. Ein Jäger auf der Drückjagd, ein Pirschjäger und ein PRS-Schütze können völlig unterschiedliche Erwartungen an das Absehen haben.
In diesem Leitfaden erklären wir, was beim Verändern der Vergrößerung tatsächlich passiert, wie sich die Subtensionen des Absehens verhalten, wann MIL- oder MOA-Markierungen korrekt nutzbar sind und für welche Jagd- oder Schießdisziplin sich FFP beziehungsweise SFP besonders eignet.
Wenn du dein Zielfernrohr noch auswählst, kannst du direkt unsere Jagdzielfernrohre vergleichen oder unseren Leitfaden zur Auswahl eines Jagdzielfernrohrs lesen.
Was bedeuten FFP und SFP beim Zielfernrohr?
Die Abkürzungen bezeichnen die Position des Absehens innerhalb des optischen Systems:
- FFP – First Focal Plane: erste Bildebene.
- SFP – Second Focal Plane: zweite Bildebene.
Der entscheidende Unterschied wird sichtbar, wenn die Vergrößerung des Zielfernrohrs verändert wird.
Bei einem FFP-Zielfernrohr verändert sich die scheinbare Größe des Absehens gemeinsam mit dem Zielbild.
Bei einem SFP-Zielfernrohr wird das Zielbild größer oder kleiner, während das Absehen für den Schützen scheinbar gleich groß bleibt.
FFP vs. SFP: die wichtigsten Unterschiede
| Eigenschaft | Erste Bildebene (FFP) | Zweite Bildebene (SFP) |
|---|---|---|
| Scheinbare Größe des Absehens | Verändert sich mit der Vergrößerung | Bleibt optisch weitgehend konstant |
| Verhältnis Absehen zum Ziel | Bleibt proportional | Verändert sich mit der Vergrößerung |
| Subtensionen | Behalten ihren Winkelwert über den gesamten Vergrößerungsbereich | Sind bei der vom Hersteller festgelegten Kalibrierungsvergrößerung korrekt |
| MIL-/MOA-Markierungen | Bei jeder Vergrößerung direkt nutzbar | Erfordern Kenntnis der Kalibrierungsvergrößerung |
| Absehen bei niedriger Vergrößerung | Kann je nach Konstruktion sehr fein erscheinen | Bleibt visuell gut erkennbar |
| Absehen bei hoher Vergrößerung | Wächst zusammen mit dem Zielbild | Behält seine scheinbare Größe |
| PRS und Präzisionsschießen | Besonders interessant | Möglich, aber die Kalibrierung muss berücksichtigt werden |
| Klassische Jagd | Sehr gut geeignet | Sehr verbreitet |
Wie funktioniert ein Absehen in der ersten Bildebene?
Bei einem Zielfernrohr mit Absehen in der ersten Bildebene vergrößern sich beim Hochdrehen der Vergrößerung sowohl das Zielbild als auch das Absehen.
Wird die Vergrößerung reduziert, werden beide proportional kleiner dargestellt.
Daraus ergibt sich ein wichtiger Vorteil: Das Winkelverhältnis zwischen den Markierungen des Absehens und dem Ziel bleibt konstant.
Wenn beispielsweise zwei Markierungen eines Absehens einen Abstand von 1 Milliradian darstellen, entspricht dieser Winkelwert bei 6x, 12x oder 20x weiterhin 1 Mil.
Das ist besonders praktisch, wenn das Absehen verwendet wird, um:
- Geschossabfall zu kompensieren;
- Windkorrekturen vorzunehmen;
- Haltemarken beziehungsweise Holdovers zu nutzen;
- mit MIL- oder MOA-Absehen zu arbeiten;
- Entfernungen oder Größen über Winkelmaße abzuschätzen;
- schnelle Korrekturen vorzunehmen, ohne die Verstelltürme zu betätigen.
Wie funktioniert ein Absehen in der zweiten Bildebene?
Bei einem Zielfernrohr mit Absehen in der zweiten Bildebene verändert sich beim Verstellen der Vergrößerung die scheinbare Größe des Zielbildes, während das Absehen für den Schützen optisch weitgehend gleich groß bleibt.
Gerade für die Jagd kann dieses Verhalten sehr angenehm sein, weil das Absehen über einen großen Teil des Vergrößerungsbereichs eine konstante und gut erkennbare Darstellung bietet.
Es gibt jedoch einen wichtigen technischen Unterschied: Besitzt das Absehen Markierungen zur Messung oder Korrektur, entsprechen deren Subtensionen nur bei der vom Hersteller definierten Kalibrierungsvergrößerung den angegebenen Winkelwerten.
Diese Kalibrierungsvergrößerung muss nicht grundsätzlich die maximale Vergrößerung sein. Entscheidend sind immer die technischen Angaben des jeweiligen Herstellers und des konkreten Absehens.
Was sind Subtensionen bei einem Zielfernrohr?
Unter Subtensionen versteht man die Winkelwerte, die Abstände oder Elemente innerhalb eines Absehens darstellen.
Dieser Begriff ist entscheidend, um den praktischen Unterschied zwischen FFP und SFP wirklich zu verstehen.
Absehen können unter anderem mit folgenden Systemen arbeiten:
- MRAD beziehungsweise Mil;
- MOA beziehungsweise Winkelminuten;
- ballistischen Haltemarken;
- BDC-Markierungen zur Geschossfallkompensation;
- herstellerspezifischen Skalen und Absehendesigns.
Bei FFP bleiben diese Winkelbeziehungen über den gesamten Vergrößerungsbereich erhalten.
Bei SFP verändert sich der Winkelwert der sichtbaren Abstände mit der Vergrößerung. Die angegebenen Werte stimmen deshalb bei der vom Hersteller definierten Kalibrierungsvergrößerung.
Einfaches Beispiel: Was passiert von 5x auf 20x?
| Bei 5x | Bei 20x | |
|---|---|---|
| FFP | Zielbild und Absehen erscheinen kleiner | Zielbild und Absehen werden proportional größer |
| SFP | Zielbild erscheint kleiner, das Absehen bleibt visuell gleich | Zielbild wird größer, das Absehen bleibt scheinbar gleich groß |
| FFP-Subtensionen | Behalten ihren Winkelwert | Behalten ihren Winkelwert |
| SFP-Subtensionen | Hängen von der Kalibrierung ab | Hängen von der Kalibrierung ab |
Vorteile der ersten Bildebene (FFP)
Absehenmarkierungen funktionieren über den gesamten Vergrößerungsbereich
Das ist der wichtigste Vorteil des FFP-Systems.
Bei einem korrekt konstruierten MIL- oder MOA-Absehen behalten die Markierungen ihren Winkelwert unabhängig davon, welche Vergrößerung eingestellt ist.
Schnelle Korrekturen über das Absehen
Haltemarken für Höhe und Wind können direkt verwendet werden, ohne vorher prüfen zu müssen, ob die richtige Kalibrierungsvergrößerung eingestellt ist.
Besonders interessant für Long Range und PRS
Wer häufig die Vergrößerung verändert und gleichzeitig mit Winkelmarkierungen im Absehen arbeitet, profitiert stark von der konstanten Skalierung des FFP-Absehens.
Deshalb findet man die erste Bildebene besonders häufig bei Zielfernrohren für Long Range, PRS und Präzisionsschießen.
Hat FFP auch Nachteile?
Ja. Eine FFP-Konstruktion ist nicht automatisch die bessere Lösung.
Bei sehr niedriger Vergrößerung erscheint das Absehen ebenfalls kleiner. Je nach Gestaltung können feine Linien oder einzelne Haltemarken dann schwerer erkennbar sein.
Bei hoher Vergrößerung wächst das Absehen dagegen mit dem Zielbild und kann bei bestimmten Konstruktionen einen größeren Bereich des kleinen Ziels abdecken.
Deshalb ist der konkrete Aufbau des Absehens mindestens genauso wichtig wie die Frage FFP oder SFP.
Hersteller lösen dies beispielsweise durch:
- beleuchtete Mittelpunkte;
- kräftigere zentrale Elemente;
- fein abgestufte Absehenbäume;
- unterschiedliche Linienstärken;
- Absehendesigns, die sich bei niedriger und hoher Vergrößerung unterschiedlich wahrnehmen lassen.
Vorteile der zweiten Bildebene (SFP)
Konstante scheinbare Größe des Absehens
Für viele Jäger ist dies ein wichtiger Vorteil.
Das Absehen behält unabhängig von der eingestellten Vergrößerung eine ähnliche visuelle Präsenz und lässt sich dadurch in unterschiedlichen Jagdsituationen schnell erfassen.
Sehr gut für klare Jagdabsehen
Absehen wie verschiedene 4A-Varianten, beleuchtete Mittelpunkte oder bewusst schlicht gehaltene Jagdabsehen müssen nicht zwingend auf jeder Vergrößerungsstufe als vollständige Winkelmessskala funktionieren.
Logisch in Verbindung mit Ballistiktürmen
Wenn der Jäger die Entfernungskorrektur über einen Ballistikturm vornimmt und das Absehen hauptsächlich als klare Zielreferenz nutzt, können viele Vorteile eines komplexen FFP-Absehens weniger entscheidend sein.
Was ist die wichtigste Einschränkung von SFP?
Die wichtigste Einschränkung entsteht dann, wenn die Markierungen des Absehens für Messungen oder Haltekorrekturen verwendet werden.
Bei einem SFP-Absehen entsprechen diese Markierungen dem vorgesehenen Winkelwert bei der vom Hersteller definierten Kalibrierungsvergrößerung.
Ist eine Retikelskala beispielsweise für eine bestimmte Vergrößerungsstufe kalibriert, verändert sich ihre Winkelbeziehung zum Ziel, wenn eine andere Vergrößerung eingestellt wird.
Das macht ein SFP-Zielfernrohr nicht unpräzise. Es bedeutet lediglich, dass der Schütze die Konstruktion und Kalibrierung seines Absehens kennen muss.
FFP oder SFP je nach Jagd- und Schießdisziplin
| Einsatz | FFP | SFP | Was sollte im Vordergrund stehen? |
|---|---|---|---|
| Drückjagd und Bewegungsjagd | Mit passendem Absehen sehr gut möglich | Sehr verbreitet | Sehfeld, schnelle Zielerfassung, sichtbares Absehen und niedrige Anfangsvergrößerung |
| Pirschjagd | Sehr interessant bei Nutzung von Haltemarken | Für viele Jagdkonfigurationen hervorragend | Optische Qualität, Gewicht, Vergrößerung, Absehen, Ballistikturm und Ergonomie |
| Long Range | Besonders sinnvoll bei Arbeit mit Subtensionen | Gut nutzbar, wenn die Kalibrierung bekannt ist | Absehen, Verstelltürme, Parallaxe, Tracking und MIL/MOA-System |
| PRS und Präzisionsschießen | Sehr verbreitet | Weniger üblich | Subtensionen, schnelle Ablesbarkeit, Türme, Zero Stop und Parallaxenausgleich |
| Allround-Jagd | Sehr gut geeignet | Sehr verbreitet | Einfachheit, Sichtbarkeit, optische Qualität und Bedienkomfort |
FFP oder SFP für die Drückjagd?
Bei der Drückjagd wird in der Regel mit niedriger Vergrößerung gearbeitet und das Ziel muss sehr schnell erfasst werden.
Hier sind häufig andere Eigenschaften wichtiger als die Bildebene:
- großes Sehfeld;
- schnell erfassbares Absehen;
- effektiver Leuchtpunkt;
- großzügiges Einblickverhalten;
- natürlicher Anschlag;
- niedrige Anfangsvergrößerung.
Ein SFP-Absehen kann hier besonders intuitiv sein, weil seine scheinbare Größe bei geringer Vergrößerung erhalten bleibt.
Ein FFP-Zielfernrohr mit entsprechend ausgelegtem, beleuchtetem Absehen kann jedoch ebenfalls hervorragend funktionieren.
Die Bildebene sollte niemals losgelöst vom konkreten Absehendesign beurteilt werden.
Für diesen Einsatzzweck kannst du auch unsere Zielfernrohre für kurze Distanzen und Drückjagd vergleichen.
FFP oder SFP für die Pirschjagd?
Die Pirschjagd ist eine der Jagdarten, bei denen beide Systeme sinnvoll eingesetzt werden können.
Ein Jäger, der seine Entfernungskorrektur hauptsächlich über einen Ballistikturm vornimmt und das Absehen als klare zentrale Zielreferenz nutzt, kann mit einem guten SFP-Zielfernrohr hervorragend arbeiten.
Wer dagegen Haltemarken im Absehen für Geschossabfall oder Windkorrekturen nutzt, profitiert bei FFP davon, dass deren Winkelwerte auch nach einer Änderung der Vergrößerung erhalten bleiben.
Deshalb sollte die Entscheidung immer Teil eines größeren Systems sein:
Büchse + Munition + Montage + Zielfernrohr + Absehen + Entfernungsmesser + Auflage + Jäger.
Vertiefe dieses Thema auch mit unserem Artikel über die 6 häufigsten Fehler bei der Wahl eines Zielfernrohrs für die Pirschjagd.
FFP oder SFP für Long Range und PRS?
Je wichtiger schnelle Korrekturen über das Absehen werden, desto interessanter wird die erste Bildebene.
Bei PRS und anderen Präzisionsdisziplinen wird die Vergrößerung häufig verändert, während gleichzeitig zahlreiche horizontale und vertikale Referenzmarken genutzt werden.
In diesem Umfeld ist es besonders praktisch, wenn eine Markierung von 1 MIL unabhängig von der eingestellten Vergrößerung weiterhin 1 MIL entspricht.
Deshalb verwenden viele moderne Wettkampf- und Präzisionszielfernrohre FFP-Absehen.
Kahles: FFP für Präzision und Wettkampf
Kahles ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die erste Bildebene im anspruchsvollen Sport- und Präzisionsbereich eingesetzt wird.
Modelle der K-Serie wie das K540i kombinieren Absehen in der ersten Bildebene mit präzisen MRAD-Verstellungen und Funktionen, die speziell für Anwendungen entwickelt wurden, bei denen Ablesen, Korrekturen und Wiederholgenauigkeit entscheidend sind.
Bei solchen Zielfernrohren arbeitet FFP nicht als isoliertes Merkmal, sondern gemeinsam mit:
- präzisen Verstelltürmen;
- MRAD-Systemen;
- komplexen Wettkampfabsehen;
- Parallaxenausgleich;
- hoher mechanischer Wiederholgenauigkeit.
Entdecke unsere Auswahl an Kahles Zielfernrohren.
Swarovski: SFP als durchdachte Lösung für die Jagd
Swarovski Optik steht beispielhaft für eine andere Philosophie: Zielfernrohre, deren Konstruktion stark auf die praktische Jagdanwendung ausgerichtet ist.
Bei vielen Jagdzielfernrohren befindet sich das Absehen in der zweiten Bildebene. Dadurch bleibt seine scheinbare Größe beim Wechsel der Vergrößerung konstant, während sich das Zielbild verändert.
Diese Lösung lässt sich mit:
- klaren Jagdabsehen;
- feinen Leuchtpunkten;
- großen Vergrößerungsbereichen;
- Ballistiktürmen;
- hoher optischer Leistung
zu einem sehr effektiven System für Pirsch, Ansitz, Drückjagd und Allround-Jagd kombinieren.
SFP bedeutet deshalb keinesfalls weniger technisch oder weniger hochwertig. Es ist eine andere optische Lösung für einen anderen Anwendungsschwerpunkt.
Vergleiche unsere Swarovski Zielfernrohre.
Vortex zeigt perfekt, warum eine Marke nicht einfach FFP oder SFP ist
Vortex Optics eignet sich besonders gut, um einen wichtigen Punkt zu erklären: Eine komplette Marke sollte niemals pauschal als FFP- oder SFP-Marke bezeichnet werden.
Innerhalb des Vortex-Sortiments existieren beide Systeme.
Die Viper-PST-Gen-II-Familie umfasst beispielsweise Varianten mit Absehen in der ersten Bildebene, während andere Vortex-Jagdmodelle wie Varianten des Razor HD LHT mit Absehen in der zweiten Bildebene erhältlich sind.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht:
„Ist Vortex FFP oder SFP?“
Sondern:
„Welches Vortex-Modell, welches Absehen und welchen Einsatzzweck habe ich?“
Entdecke unsere Auswahl an Vortex Optics.
Nikko Stirling: FFP und klassische Jagdoptik für unterschiedliche Einsatzbereiche
Nikko Stirling zeigt, dass die Entscheidung zwischen FFP und SFP nicht auf das Premiumsegment beschränkt ist.
Das Sortiment umfasst klassische Jagd- und Luftgewehrzielfernrohre ebenso wie Modelle, die ausdrücklich mit einem Absehen in der ersten Bildebene ausgestattet sind.
Damit lässt sich die Bildebene stärker nach Einsatzzweck und Budget auswählen, statt FFP ausschließlich mit sehr teuren Präzisionsoptiken zu verbinden.
Vergleiche unsere Nikko Stirling Zielfernrohre.
FFP vs. SFP: Marken und typische Einsatzphilosophien
| Marke | Was finden wir? | Besonders interessante Anwendungen | Was sollte geprüft werden? |
|---|---|---|---|
| Kahles | Hochwertige FFP-Modelle im Sport- und Präzisionsbereich | PRS, Präzisionsschießen und Long Range | Modell, Absehen, MRAD/MOA, Türme und Parallaxe |
| Swarovski | Starke Spezialisierung auf hochwertige Jagdoptik und zahlreiche SFP-Lösungen | Pirsch, Ansitz, Drückjagd und Allround-Jagd | Modell, Absehen, Beleuchtung und Ballistikturm |
| Vortex | FFP- und SFP-Modelle | Jagd, Präzision und Sportschießen | Konkrete Baureihe und Modellvariante |
| Nikko Stirling | Klassische Jagdoptiken und spezielle FFP-Modelle | Jagd, Luftgewehr und Sportschießen | Modell, Absehen und Einsatzbereich |
Ist ein FFP-Zielfernrohr präziser als ein SFP-Zielfernrohr?
Nein.
Die Position des Absehens bestimmt allein weder die mechanische Präzision noch die optische Qualität eines Zielfernrohrs.
Ein hochwertiges SFP-Zielfernrohr kann eine hervorragende optische Leistung, präzises Tracking und außergewöhnliche Wiederholgenauigkeit bieten.
Ebenso macht ein Absehen in der ersten Bildebene ein Zielfernrohr nicht automatisch zu einer hochwertigen Präzisionsoptik.
Die tatsächliche Leistung hängt von vielen Faktoren ab:
- optische Qualität;
- mechanische Qualität;
- Wiederholgenauigkeit der Verstelltürme;
- Absehendesign;
- Zielfernrohrmontage;
- Parallaxeneinstellung;
- Anschlag und Augenposition;
- Büchse und Munition;
- Kenntnis des eigenen Systems.
FFP, SFP und Parallaxe: nicht miteinander verwechseln
Bildebene und Parallaxe sind zwei unterschiedliche Eigenschaften.
Ein FFP-Zielfernrohr kann eine einstellbare oder eine feste Parallaxe besitzen. Das Gleiche gilt für ein SFP-Zielfernrohr.
Die Parallaxe beschreibt die scheinbare Verschiebung des Absehens gegenüber dem Ziel, wenn sich die Augenposition verändert.
Die Bildebene bestimmt dagegen, wie sich das Absehen bei einer Änderung der Vergrößerung verhält.
Mehr dazu findest du in unserem Leitfaden Parallaxe beim Zielfernrohr: Was ist das und wie stellt man sie richtig ein?.
FFP, SFP und MOA
Auch MOA darf nicht mit FFP oder SFP gleichgesetzt werden.
Ein Zielfernrohr kann beispielsweise:
- FFP mit MOA-Absehen sein;
- FFP mit MRAD-Absehen sein;
- SFP mit MOA-Absehen sein;
- ein klassisches Jagdabsehen ohne vollständige Winkelskala besitzen.
MOA ist eine Winkelmaßeinheit. FFP und SFP beschreiben dagegen die Position des Absehens im optischen System.
FFP, SFP und Mil-Absehen
Gerade bei Mil-Absehen wird der praktische Unterschied sehr deutlich.
Befindet sich ein auf Milliradian basierendes Absehen in der ersten Bildebene, behalten die Subtensionen ihren Winkelwert über den gesamten Vergrößerungsbereich.
Bei einem Mil-Absehen in der zweiten Bildebene muss dagegen die vom Hersteller festgelegte Kalibrierungsvergrößerung bekannt sein, wenn die Markierungen für Messungen oder Korrekturen verwendet werden sollen.
Was sollte man vor dem Kauf eines FFP- oder SFP-Zielfernrohrs prüfen?
| Frage | Warum ist sie wichtig? |
|---|---|
| Liegt das Absehen in FFP oder SFP? | Bestimmt das Verhalten des Absehens beim Verändern der Vergrößerung |
| Welches konkrete Absehen besitzt das Zielfernrohr? | Zwei FFP-Zielfernrohre können sich in der Praxis völlig unterschiedlich anfühlen |
| Arbeitet das Absehen in MIL, MOA oder mit einem eigenen System? | Bestimmt, wie die Markierungen interpretiert werden |
| Bei welcher Vergrößerung ist ein SFP-Absehen kalibriert? | Entscheidend für die korrekte Nutzung der Subtensionen |
| Ist das Absehen beleuchtet? | Kann die schnelle Zielerfassung besonders bei niedriger Vergrößerung verbessern |
| Besitzt das Zielfernrohr einen Parallaxenausgleich? | Relevant für Präzision und wechselnde Distanzen |
| Welches Einheitensystem verwenden die Verstelltürme? | Absehen und Türme sollten möglichst logisch zusammenarbeiten |
| Was ist der hauptsächliche Einsatzzweck? | Drückjagd, Pirsch, PRS und Long Range stellen unterschiedliche Anforderungen |
Häufige Fehler bei der Wahl zwischen FFP und SFP
- FFP grundsätzlich für besser halten. Entscheidend sind Einsatz und Absehendesign.
- SFP für veraltet halten. Für viele Jagdanwendungen ist es weiterhin eine hervorragende Lösung.
- Eine komplette Marke als FFP oder SFP einstufen. Hersteller wie Vortex bieten beide Systeme an.
- Annehmen, dass die Markierungen eines SFP-Absehens bei jeder Vergrößerung denselben Winkelwert haben.
- Annehmen, dass ein SFP-Absehen immer bei maximaler Vergrößerung kalibriert ist. Maßgeblich sind die Herstellerangaben.
- FFP ausschließlich wegen großer Schussentfernungen wählen. Türme, Absehen, Parallaxe, Optik und Ergonomie sind ebenso wichtig.
- Nicht prüfen, wie ein FFP-Absehen bei niedriger Vergrößerung aussieht.
- Nur technische Daten vergleichen, ohne das gesamte System zu betrachten.
FFP oder SFP: Welche Bildebene passt zu mir?
| Wenn du hauptsächlich... | Dann solltest du besonders beachten... |
|---|---|
| Absehenmarkierungen bei unterschiedlichen Vergrößerungen nutzt | FFP |
| PRS oder Präzisionsschießen mit komplexen Absehen betreibst | FFP |
| MIL-/MOA-Haltemarken für schnelle Korrekturen verwendest | FFP |
| Ein klares Jagdabsehen mit konstantem Erscheinungsbild bevorzugst | SFP kann besonders interessant sein |
| Entfernungskorrekturen überwiegend über einen Ballistikturm vornimmst | SFP kann hervorragend funktionieren |
| Vor allem Drückjagd mit niedrigen Vergrößerungen betreibst | Absehendesign, Sehfeld und Beleuchtung sind wichtiger als FFP oder SFP allein |
| Vor allem auf der Pirsch jagst | Beide Systeme können hervorragend sein – entscheidend ist deine Art der Korrektur |
Checkliste für die Wahl zwischen FFP und SFP
- Lege zuerst fest, ob das Zielfernrohr für Drückjagd, Pirsch, Ansitz, Long Range oder Sportschießen gedacht ist.
- Überlege, ob du Haltemarken im Absehen für Korrekturen verwenden möchtest.
- Prüfe, ob das Absehen in MIL, MOA oder mit einem herstellerspezifischen System arbeitet.
- Bei SFP: Ermittle exakt die Kalibrierungsvergrößerung der Subtensionen.
- Beurteile das Absehen sowohl bei niedriger als auch bei hoher Vergrößerung.
- Prüfe Beleuchtung und Sichtbarkeit des Zielzentrums.
- Bewerte Verstelltürme, Parallaxe, Vergrößerungsbereich und optische Qualität gemeinsam.
- Entscheide niemals nur anhand der Kürzel FFP oder SFP.
Fazit: FFP und SFP sind zwei unterschiedliche Werkzeuge
Es gibt keinen universellen Gewinner zwischen erster und zweiter Bildebene.
FFP ist besonders leistungsfähig, wenn die Subtensionen des Absehens bei unterschiedlichen Vergrößerungen für Messungen und Korrekturen genutzt werden sollen.
SFP hält das Absehen für den Schützen visuell konstant und bleibt eine ausgezeichnete Lösung für viele jagdliche Anwendungen, insbesondere wenn ein klares, schnell erfassbares Absehen mit einem Ballistikturm kombiniert wird.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht einfach:
„FFP oder SFP?“
Sondern:
„Welches Absehen, welches Zielfernrohr, welche Jagd- oder Schießdisziplin und welche Art der Korrektur passen am besten zu mir?“
Und auch hier gilt: Ein Zielfernrohr arbeitet nie isoliert. Das eigentliche System besteht aus:
Büchse + Munition + Montage + Zielfernrohr + Absehen + Einstellungen + Auflage + Jäger oder Schütze.
Vergleiche unsere vollständige Auswahl an Jagdzielfernrohren, entdecke Kahles, Swarovski, Vortex Optics und Nikko Stirling oder vertiefe dein Wissen mit unserem Leitfaden zur Auswahl eines Jagdzielfernrohrs.